The former Journalist F.


Patient F. muss büßen
07/06/2009, 13:37
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Oh weh, was hat Patient F. nur getan! Dass er durch einen mehr als zweijährigen Nervenkrieg Künstler Irgendlink eine Anstellung beim Kulturamt der Stadt S. verschafft hat, ist schlimmer, als man es sich in seinen kühnsten Träumen vorstellen kann. In unendlicher Naivität hatte Patient F. nämlich angenommen, mit einem einigermaßen interessanten, abwechslungsreichen Job im öffentlichen Dienst einer Gemeindeverwaltung dem fleißigen Künstler aus dem Nachbarstädtchen Z. etwas Gutes zu tun. Doch wieder einmal beweist sich zu einen, dass die durch und durch bürgerliche Einstellung des Patienten, Journalisten und Kulturorganisators F. eigentlich einen Leuchtturm der Spießigkeit darstellt. Und zum anderen, dass Arbeit durchaus gleichbedeutend mit Mobbing sein kann. Da helfen auch keine 30 Urlaubstage, krisensichere Gehaltszahlungen, relativ gute Aufstiegsmöglichkeiten und alle anderen Wohltaten, die eine solche geregelte Anstellung beim Amt mit sich bringt. Künstler denken anders und weiter. Sie wollen in Freiheit die Welt erforschen und nicht ihre Zeit in stickigen Amtsstuben verbringen. Patient F. hätte es ahnen müssen!

Daher bleibt nur noch eins: Asche auf das Haupt von Patient F. Aber dazu ist es schon zu spät. Denn das Schicksal rächt sicher gerade bitterlich für die Untat. Nachdem die Herzkathederuntersuchung von letzter Woche nämlich ebenso glimpflich wie ohne Befund von statten ging, konnten die kreativen Ärzte ihre Enttäuschung kaum verbergen. Doch der Schock hielt nicht lange an und während Patient sich noch auf seine Entlassung freute, wurde er bereits mit dem Ergebnis lustiger Überlegungen konfrontiert. Denn der putzige Doktor M., neu auf der Station und gleichzeitig aufstrebender Kardiologe mit zahlreichen Auszeichnungen, wollte Patient F. gleich noch ein paar Tage länger behalten. Denn neue Untersuchungsmethoden könne man jetzt gleich ausprobieren, meinte er mit strahlendem Lächeln. Das Einzelzimmer ohne tobende Opas hätte Patient F. gleich verdächtig vorkommen sollen.

Zum Glück konnte sich Patient F. wehren und doch noch die Flucht ergreifen. Aber der Triumph ist höchst unvollständig. Denn in zwei Wochen geht es wieder zu einem mehrtägigen Aufenthalt in der Universiätskklinik der Kreisstadt H. Dort wird man dann statt mit einem Katheder mit derenr vier in das Herz des leidenden Patienten vordringen und mittels einem ausgeklügelten Elektriktrick solche Regionen im fleißigen Blutpumpenmuskel suchen, die ebenso perfide wie falsche Signale senden und somit den Rhythmus des Herzens aus dem gewohnten Takt bringen. Hat man diese Stellen gefunden, werden sie mittels elektrischem Strom radikal entfernt. Eine nicht gerade beruhigende Vorstellung. Nebenbei bemerkt muss zuvor noch ein Schlauch in den Magen von Patient F. eingeführt werden, mit dem man dann rätselhafterweise untersuchen kann, ob sich schon hinterlistige Blutgerinsel im Körper versteckt halten. Wie auch immer das funktioniert, die lieben Ärzte werden es schon wissen. Hofft Patient F. zumindest. Und er hofft auf die Gnade der Krankenschwestern, die ihm hoffentlich wieder so ein schönes Einzelzimmer zukommen lassen werden. Doch dank der Sünde an Künstler Irgendlink ahnt Patient F. schon, dass dies nicht der Fall sein wird, damit der größtmögliche Qualfaktor erreicht werden kann.

Bis dahin sind noch ein paar Tage Zeit. Und Patient F. geht es gerade erstaunlich gut. So gut, dass er natürlich gleich mal wieder über die Stränge schlagen muss. Beispielsweise, indem er viel Zeit auf dem Kulturamt verbringt, um Künstler Irgendlink eine Einführung in das Metier der Kulturorganisation zu geben und gleichzeitig den Versuch zu unternehmen, den kreativen Künstler und Kleinmöbelbauer wenigstens etwas zu trösten. Das hatte auch zur Folge, dass zwei Jurysitzungen zum Kleinkunstwettbewerb jeweils erst nach Mitternacht beendet werden konnten, so dass Patient F. zwei 13-Stunden-Tage hinter sich brachte. Die Folgen sind zu spüren. Denn die Regenerationsfähigkeit ist durch die Krankheit deutlich herabgemindert.

Das zu erkennen, fällt schwer, aber Patient F. kann es immer besser. Daher hat er an diesem Sonntag alle Aktivitäten gestoppt und verbringt einen erholsamen Tag in der heimeligen Wohnung. Nur zu Wahl muss er gleich noch gehen, denn das ist erste Bürgerpflicht. Wahrscheinlich wird er die „Partei gesundheitsbewusster Krankenschwestern“ oder die der „Ärzte für Sadismus“ wählen…


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