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Journalist F., jetzt Patient F., ist bekanntlich ein überaus neugieriger Mensch. Daher ist es kaum verwunderlich, dass er sich im Laufe der Zeit intensiv über seine Krankheit und die damit verbundenen Behandlungsmöglichkeiten informiert hat. Natürlich im Internet, aber mittlerweile zieren auch eine ganze Reihe gedruckter Ratgeber das Bücherregal des fleißigen Zeitungsschreibers.
Diese lassen sich in zwei Kategorien einteilen. „Dialyse für Dummies“, für den Patienten also und „Dialyse für Fachkräfte“. Eigentlich sollte man glauben, dass sich die Inhalte dort wie ein Ei dem anderen gleichen. Weit gefehlt. Wirklich interessant sind nämlich nur die Fachbücher, weil man dort Dinge erfährt, die einem Patienten eigentlich verborgen bleiben sollen.
Mit den Ratschlägen ähneln die Dialyseinfos für Patienten allen anderen Gesundheitsratgebern, ganz gleich, welche Krankheit sie beschreiben. Grundlage einer Gesundung ist dabei stets der folgende Kanon:
1. Verlieren Sie Gewicht. 2. Ernähren Sie sich Gesund mit viel Gemüse, wenig Fleisch, Fett und Zucker. 3. Hören Sie auf zu rauchen. Nikotin schadet Ihrer Gesundheit. 4. Gehen Sie früh zu Bett und stehen Sie mit den Hühnern auf. 5. Treiben Sie viel Sport, ganz egal, wie krank Sie sich fühlen. 6. Alkohohl nur in Maßen. Das Versprechen für die Befolgung dieser Regeln: Sie werden gesund und mindestens 100 Jahre alt. So weit so gut.
Warum allerdings liest man plötzlich in den Fachbüchern ganz andere Dinge? Beispielsweise, dass es Dialysepatienten rein körperlich schon schwer fällt, den Alltag zu bewältigen? Dass Ihre Ausdauer reduziert ist und vor Sport dringend gewarnt wird, besonders, wenn noch so genannte Herzrhythmusstörungen hinzu kommen, die sich mit der Dialyse fast zwangsläufig einstellen? Dass man Dialysepatienten nach Beendigung der Blutwäsche Gelegenheit zu einer Zigarettenpause geben soll? Oder dass bei vielen Betroffenen die Gefahr der Unterernährung besteht, das sie sich bei den vielen Ernährungsregeln, die es zu befolgen gilt, überfordert fühlen und daher möglichst gar nichts mehr essen? Erstaunliche Widersprüche. Noch spannender hingegen ist die Schilderung der Fehler, welche das Pflegepersonal während der Dialyse machen kann und deren fatale Folgen. Oder die Langzeitwirkungen auf den Körper, inklusive der seelischen Probleme, die eine solche Erkrankung mit sich bringt.
Wie auch immer, Patient F. lässt sich nicht unterkriegen und las sogar ein geheimes Buch, das jeden Horrorroman in den Schatten stellt: Erfarhungsberichte aus den Anfangsjahren der Blutwäsche. Nein, nicht 100 Jahre ist das her, sondern es handelt sich um die glorreiche Ära der 60er-, 70er- und 80er-Jahre als der Anschluss an die damals Furcht erregenden Maschinen ein echtes Abenteuer war, oft mehr Experiment als seriöse Behandlungsmethode. Als die Lebenserwartung von Dialysepatienten maximal drei Jahre betrug und mit so vielen Nebenwirkungen verbunden war, dass von Lebensqualität nicht mehr die Rede sein konnte. Daher ist Patient F. sehr zufrieden, dass es heute viel besser aussieht und erträgt daher die kleinen Unbilden der Behandlung mit Geduld und Gelassenheit.
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