The former Journalist F.


Patient F. in den Mühlen der Bürokratie
01/05/2009, 13:36
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Mit Krankheiten ist das so eine Sache. Jeder bedauert einen anderen Menschen, von dessen Unglück man hört. Allerdings glaubt man dabei stets, einen selbst würde es niemals treffen. Dabei sind die Krankheiten vielfältig, die einem überfallen können. Vom Schnupfen bis zur terminalen Niereninsuffizienz und deren Begleiterscheinungen, die alle mit dem Wort „renal“ beginnen. Journalist F. kennt sich damit mittlerweile aus, denn sein Bücherregal zieren zahlreiche Bücher, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Doch davon später mehr.

 Einheitlich für alle schwer kranken Menschen in unserer Republik sind allerdings die sozialen Probleme, die unweigerlich auftauchen. Natürlich leben wir in einem Sozialstaat und eigentlich ist so ziemlich jede Eventualität irgendwie abgesichert. Die Betonung liegt auf dem „irgendwie“. Wohl dem, der ängstlich entsprechende Zusatzversicherungen abgeschlossen hat, frühzeitig. Er gehört vielleicht zu der absoluten Minderheit, die von der Versicherungsprämie auch profitieren. Denn Versicherungen sind stets bestrebt, keinen Schadensersatz auszuzahlen und suchen mit Akribie Mittel und Wege, das zu verhindern. Zunächst soll einmal erwähnt werden, dass eine so genannte terminale Niereninsuffizienz mit Dialysepflichtigkeit wahrlich kein Pappenstiel ist. Zwar rettet die komplexe Maschine das Leben der Patienten, hat allerdings auch eine ganze Reihe Nebenwirkungen, wie schon erwähnt. Eine davon ist, dass die Leistungsfähigkeit extrem herabgesetzt ist. Daher wird es Kulturorganisator F. in Zukunft nicht mehr möglich sein, seinen harten Achtstundenjob mit zugesetzten 200 Überstunden jährlich in gewohnter Manier durchzuführen. Doch was ist überhaupt noch möglich? Eine Frührente kommt keinesfalls in Frage. Nicht, weil Patient F. gegen den Status des Rentners etwas einzuwenden hätte, sondern weil dann der monatliche Salär kaum ausreichen würde, auch nur die anfallende Miete der Journalistenwohnung zu zahlen.

 Zum Glück gibt es einen Kompromiss: 25 Wochenstunden auf dem Amt und die Hälfte der Rente, die so genannte Teilerwerbsrente. Doch um die zu erlangen, gehört viel Geduld und eine unüberschaubare Anzahl von Formularen, die manchmal zwei und drei Mal angefordert werden. Journalist F. hat mit Hilfe einer netten Kollegin von der Rentenstelle des Rathauses einen solchen Antrag gestellt, viele Seiten von Zeugnissen und ähnlichen Dingen kopiert und das Ganze dann am 6. März losgeschickt. Offensichtlich werden solche Anträge jedoch nicht auf dem normalen Postweg versendet, sondern per Laufbursche. Wie sonst wäre es zu erklären, dass die Papiere von der Krankenkasse in der Landeshauptstadt S. bis zur Rentenbehörde in der Bundeshauptstadt B. nachweislich vier Wochen unterwegs waren? Und dann von der dortigen Posteingangsstelle bis zum Sachbearbeiter nochmals zwei Wochen gebraucht haben, innerhalb eines einzigen Gebäudes? Wie auch immer, die Bewilligung der Rente wird wohl noch auf sich warten lassen. Denn neben den Ärzten muss auch der Arbeitgeber viele Seiten Formulare ausfüllen. Und auch das kann dauern. Doch erst nach Bewilligung der Teilrente kann Kulturorganisator F. wieder seine Teilzeittätigkeit aufnehmen. Zu mehr als fünf Stunden am Tag ist er auch kaum fähig, wie er beschämt eingestehen muss und wie er es mehrfach anlässlich illegaler Tätigkeiten für das Amt erfahren musste.

Die Kollegen interessiert das wenig, glauben sie doch wohl eher, der fleißige Zeitungsschreiber ruhe sich drei Mal die Woche im Bett liegend an der Dialyse aus. „Jetzt kann er endlich offiziell während der Arbeitszeit schlafen und bekommt auch noch Rente dafür!“ hört Patient F. sie leise flüstern. „Ein Sozialskandal!“. Recht haben sie, denn nur ein voll leistungsfähiger Mensch hat die Berechtigung zur Existenz. Und nur dann, wenn er stets und pausenlos fehlerlos funktioniert. Die geneigten Leserinnen und Leser des Journalistenblogs werden erkennen, in welchem Dilemma der sonst so fleißige Zeitungsschreiber steckt.


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